Nicht jeder darf «auf» dem Kopf arbeiten und noch weniger «im» Kopf des Kunden. Weiterbildung heisst Vertrauen.

Statistisch gesehen hält die Beziehung einer Frau zu ihrem Coiffeur länger als die durchschnittliche Ehe», schrieb einst die Deutsche Stilistin und Autorin Alexandra Kruse. Und für die Männer, von denen ja viele nicht unbedingt gerne zum Coiffeur gehen, bedeutet der Besuch Ritual und Eingriff ins ganz persönliche Refugium. Denn nicht jeder darf «da oben» ein bisschen rumschnipseln. Und wer dazugehört, hat eine hohe Vertrauensbasis erreicht und sollte, wenn immer möglich, gleich für den Rest des Lebens die Haare schneiden.

Der Coiffeur wird also der ganz persönliche Berater – das Haarvolumen beispielsweise verändert sich ja mit den Jahren – und hat eigentlich fast die Wichtigkeitsstufe des Hausarztes erreicht. Noch kann man die Haare nicht virtuell schneiden lassen, also muss man sich bewegen und seinen Friseur besuchen. Damit das auch klappt, führen die meisten Coiffeur-Läden ein Kundenbindungsprogramm – und wenn es nur eine kleine Karte ist, welche die Anzahl Besuche festhält, um dann bei «10» eine Vergünstigung auszulösen. Relevanter zur Stammkundschaft-Bindung sind aber gute Arbeit und persönliches Flair; eben auch das Vertrauen.

«Brain-Coiffeur» seit 1978

ZfU, die Internationale Business Schule in Thalwil, spielt nicht auf, sondern im Kopf. Und mit der Rolle als lebenslanger «Brain-Coiffeur» wird sie sich jetzt stärker identifizieren und diese aktiv in die Verbindung zu ihren Studierenden einbringen. Der Anteil von Stammkunden, ähnlich wichtig aus der Schweiz wie aus Deutschland, ist bereits hoch, aber es wird immer schwieriger, junge Menschen in eine langfristige Beziehung einzubinden. Natürlich vermitteln Personalabteilungen regelmässig Mitarbeitende aus ihren Betrieben, aber das wird eher ausgelöst aufgrund der Bedürfnisse des Unternehmens als aufgrund des persönlichen Interesses einzelner Teilnehmer.

Roger Kobel, Mitglied der ZfU-Geschäftsleitung und Marketingverantwortlicher, erkennt das Problem und sucht deshalb nach Wegen, den Kunden, sowohl Firmen wie Privatpersonen, eine «lebenslange» Begleitung in Sachen Ausbildung anzubieten. Mit «brush up your knowledge» gibt er der Thematik einen zweiten Leitspruch und erklärt: «Einfach gesagt bieten wir ein lebenslanges, situatives Lernen an, das nicht nur ein ‹Aneignen von Wissen› sein soll, sondern auch ein sich Austauschen und Vernetzten. Genau wie die Haare braucht das Gehirn regelmässig eine Auffrischung. Manchmal ändern sich die Gegebenheiten, beispielsweise bei einem Jobwechsel, oder Motivation und Lust kreieren neue Gründe, sich weiterzubilden.»

Auf Anregung der Kunden

Die Nachfrage nach regelmässiger Ausbildung, auch wenn jetzt vielleicht nicht gerade bis ans Lebensende, kommt eigentlich von den Kunden. Einige davon haben über die Jahre mehrere Seminare in den unterschiedlichsten Bereichen besucht und sind einfach daran gewohnt, immer mal wieder «sich im Kopf betreuen zu lassen». Kobel erklärt: «Wir sind an der Entwicklung verschiedener Ideen, Konzepte und Programme, die es unseren Kunden vereinfachen sollen, ihr Wissen punktuell, rasch und praxisorientiert zu erlangen. Sodass sie dieses Wissen erfolgreich im Alltag anwenden können. Dazu brachte unser bisheriges Durchschnittspublikum, Managementstufe mit Altersgruppe 35 bis 45, also die Generation Y, jeweils auch substanzielles eigenes Praxiswissen in die Seminare ein.»

Generation Z im Visier

Wie für andere Bildungsinstitute wird die Schwierigkeit sein, die Generation Z, geboren ab 1995, frühzeitig als Kunden zu erkennen, zu akquirieren und dann als Stammkunden aufzubauen. «Flexibilität ist auch in unserer Branche ein Schlüsselfaktor. Ich kann mir vorstellen, dass wir verschiedene Modelle und Plattformen anbieten werden, die das Wissen unmittelbarer transportieren. Ein MBA in zwölf Monaten wird für die Jungen interessanter sein und kostet auch weniger als im Vier-Jahre-Angebot. Anderseits überlegen wir uns auch beispielsweise eine Art Wissens-Club – Stichwort ‹share your knowledge› –, dessen Mitglieder sich über ihre Themen finden und dann aktiv austauschen. Diese Personen werden dann natürlich auch andere Vorteile erhalten, beispielsweise Vergünstigungen bei Seminaren oder beim Kauf von Fachbüchern, und eben auch Teil sein eines interaktiven Netzwerkes.» Wenn man das weiterspinnt, könnte es zu einem «Brain-Coiffeur-Club» werden.

Neue Ansätze und neue Auftritte sind gefordert und Roger Kobel und sein Managementteam verfolgen aufmerksam die Trends der berufsbegleitenden Weiterbildung. «Die Frage, die wir den Jungen beantworten müssen, ist: ‹Wieso brauche ich überhaupt noch eine Weiterbildung, wenn im Internet so viel Wissen frei verfügbar ist?› Der Punkt ist der, dass es am spezifischen Wissenstransfer in den Alltag fehlt; also in die eigentliche Arbeitswelt. Die Praxis kann kaum online und ohne ein persönliches Austauschen zwischen erfahrenen Dozenten (die früher möglichst selbst Unternehmer waren) und jungen Lernenden erfolgen. Anderseits fordern Unternehmen und deren Personalabteilungen, dass berufsbegleitende Weiterbildung möglichst reale Probleme aus dem Aufgabenbereich des Studierenden untersucht und dann entsprechende Lösungsansätze findet. Dieses lebendige Bedürfnis nach Theorie und Praxis verbunden mit Spass und Zugehörigkeitsgefühl wollen wir mit unserem Angebot, lebenslanger ‹Brain-Coiffeur› zu werden, beantwor ten.» 2018 bietet ZfU ein Angebot zu rund 250 Themen an.

Hinterlassen Sie einen Kommentar